15/Juni/2026 - Beitrag von Jan-Erik Becker
Dukaten: begehrt und geschätzt
Die jahrtausendealte Faszination für Gold mündete in dem Bestreben, dessen symbolischen Wert in eine handfeste wirtschaftliche Form zu gießen. Auch die Erfindung der ersten Münzen im westlichen Kleinasien, der heutigen Türkei, vor mehr als 2600 Jahren wäre ohne Gold als Münzmetall undenkbar gewesen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass sowohl Griechen, Phönikier und Römer als auch Kelten die Prägung von Goldmünzen übernommen haben. Die Bedeutung der spätantiken römischen Goldmünzen, der Solidi, war für den Zahlungsverkehr so enorm, dass sie sogar den Untergang des Reiches überdauerten und in Byzanz und den Nachfolgereichen der Völkerwanderungszeit weitergeprägt wurden. Auch im arabischen Raum wurde an Gold als wertbeständigstem Münzmetall festgehalten.
Nur in Westeuropa ging man im 8. Jahrhundert dazu über, Gold durch eine reine Silberwährung zu ersetzen. Grundlage dafür waren die von Karl dem Großen und seinem Vater Pippin dem Jüngeren veranlassten Münzreformen, die erstmals auf Silber als einzigem Münzmetall basierten. Goldmünzen wurde nur noch in Ausnahmefällen, etwa zu Repräsentationszwecken, ausgegeben.
Erst die Kreuzzüge und die Übernahme der Herrschaft in Süditalien durch die Normannen am Ende des 11. Jahrhundert leiteten die Rückkehr zum Gold als Münzmetall in Europa ein. So imitierten die normannischen Eroberer arabische Goldmünzen (Tari) in ihren süditalischen Prägestätten und brachten diese für den bedeutenden Mittelmeerhandel in Umlauf. Diese Prägetradition wurde zunächst auch von den nachfolgenden staufischen Herrschern fortgeführt, bevor sie unter einem ihrer wichtigsten Vertreter, Kaiser Friedrich II., mit dem Augustalis ab 1231 eine neue Goldmünze einführten, die die europäische Münzprägung revolutionierte. Jedoch blieb der Umlauf der Augustalen vorrangig auf das Königreich Sizilien und den mittel- und oberitalienischen Raum begrenzt.
Eine Goldmünzenprägung größeren Stils setzte erst in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts durch die italienischen Stadtrepubliken Florenz, Genua und Venedig ein. Zunächst begann man ab 1252 in Florenz und Genua mit dem Ausbringen neuer Goldmünzen, den Fiorino d'oro und Genovino d'oro.
Venedig folgte 1284 mit der Ausgabe der ersten eigenen Goldmünzen, den Zecchini d'oro, deren Standard den Florentiner und Genueser Goldgulden in etwa gleichwertig sein sollte. Diese nach byzantinischem Vorbild gestalteten venezianischen Goldmünzen zeigen auf der Vorderseite den vor St. Markus knienden Dogen, der von dem Stadtheiligen Venedigs die Lehnsfahne empfängt. Die Vorderseitenlegende nennt den Namen des amtierenden Dogen und seinen Titel. Die Rückseite hingegen zeigt Christus in der Mandorla und führt als Umschrift den Vers: SIT TIBI XPE CHRISTE DATVS QVEM TV REGIS ISTE DVCATVS („Dir, Christus, sei dieses Herzogtum, das Du regierst, übergeben“) an, von dessen Schlusswort vermutlich der Münzname Ducato (Dukat) abgeleitet ist. Dieser Münztyp wurde bis zum Ende der Republik Venedig 1797 unverändert in Bild, Gewicht und Feingehalt weitergeprägt.
Ducato (Zecchine), Republik Venedig, Doge Marino Grimani (1595-1605), Münzstätte: Venedig, Gold, Ø 21,17 mm, 3,379 g, Museum der Stadt Zerbst, Inv.-Nr. ZMS#55/9165, gefunden 1962 in Zerbst. © LDA Sachsen-Anhalt, O.S.C.A.R.
Goldgulden 1480-1481, Erzbistum Köln, Erzbischof Hermann als Electus (1480-1508), Münzstätte: Bonn, Gold, Münzmeister: Syfried (?), Ø 21,1 mm, 3,224 g, LDA Sachsen-Anhalt, Inv.-Nr. 16679:11:2, gefunden 2023 im Kloster Himmelpforten bei Wernigerode. © LDA Sachsen-Anhalt, O.S.C.A.R.
Dukat 1590, Habsburger Lande (Herzogtum Kärnten), Erzherzog Karl II. von Österreich (1564-1590), Münzstätte: Klagenfurt, Münzmeister: Balthasar Vessmair (?), Gold, Ø 21,1 mm, 3,224 g, Genthin, Kreismuseum Jerichower Land, Inv.-Nr. GJL#8, gefunden 1928 im Karpfenteich des Rittergutes Scharteucke. © LDA Sachsen-Anhalt, O.S.C.A.R.
Doppeldukat 1700 (Anlass: Auf den Beginn des neuen Jahrhunderts), Reichsstadt Nürnberg, Münzmeister: Georg Friedrich Nürnberger, Gold, Ø 28,4 mm, 6,957 g, Genthin, Kreismuseum Jerichower Land, Inv.-Nr. GJL#10, gefunden 1931 in Großwusterwitz. © LDA Sachsen-Anhalt, O.S.C.A.R.
Als eine Art Konkurrenzprodukt ins Leben gerufen, verdrängten die später Dukaten genannten Goldmünzen ab dem 15. Jahrhundert die Goldgulden allmählich aus dem europäischen Zahlungsverkehr. So übernahmen zuerst die Könige von Ungarn und Böhmen, später auch die Könige von Schweden sowie die Könige von Dänemark, die Schweizer Eidgenossen und die Habsburgischen Herrscher die Dukatenprägung in ihren Ländern. In der von Kaiser Ferdinand I. auf dem Augsburger Reichstag 1559 erlassenen Reichsmünzordnung wurde der Dukat neben dem Goldgulden als neue Reichsgoldmünze zugelassen. Er etablierte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zur Hauptgoldmünze im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, bis er schließlich im Wiener Münzvertrag von 1857 durch die neue Vereinskrone ersetzt wurde.
Bis heute zählen Dukaten zu den langlebigsten Zahlungsmitteln unserer Geschichte. Sie verkörperten nicht nur einen hohen Metallwert, sondern besaßen auch mit ihrem über Jahrhunderte gleichbleibendem Feingehalt eine große Akzeptanz als Handelsmünze im weltweiten Geldverkehr. Deshalb werden die Dukaten, oft auch im mehrfachen Gewicht (z.B. Doppeldukat), in Ländern wie Österreich und den Niederlanden auch heute noch als Handels- bzw. Anlagemünzen ausgegeben.
Für das Gebiet des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt können derzeit 37 gesicherte und 5 ungesicherte Fundorte mit Dukaten nachgewiesen werden. Auffällig ist hierbei, dass entlang der Flüsse eine hohe Fundortdichte zu verzeichnen ist. Dieses steht wahrscheinlich mit der Akzeptanz der Dukaten als europäische Handelsmünze und deren Verbreitung über die großen Wasserstraßen – wie etwa der Elbe – in Zusammenhang. Dagegen weisen der Westen und Nordwesten des Bundeslandes (ein Großteil der Altmark und die sich daran anschließende Magdeburger Börde) eine gewisse Fundleere auf.
Text: Jan-Erik Becker
Literatur
Keysers Ferdinandi newe Münzordnung zu Augspurg M.D.LIX., gedruckt von Franciscum Behem zu Mainz (1559).
Friedrich Freiherr v. Schrötter (in Verbindung mit N. Bauer, K. Regling, A. Suhle, R. Vasmer und J. Wilcke): Wörterbuch der Münzkunde, Berlin/Leipzig 1930, S. 167-168.
Robert S. Lopez, Back to Gold, 1252, in: The Economic History Review 9 (1956), S. 219-240.
Heinrich Kowalski, Die Augustalen Kaiser Friedrichs II. von Hohenstaufen, in: Schweizerische Numismatische Rundschau 55 (1976), S. 77-150.
Peter Berghaus, Denar – Sterling – Goldgulden. Ausgewählte Schriften zur Numismatik, hrsg. v. Gert Hatz, Peter Ilisch und Bernd Kluge, Osnabrück 1999.
Bernd Kluge, Numismatik des Mittelalters. Band I: Handbuch und Thesaurus Nummorum Medii Aevi, Berlin/Wien 2007.
Svein H. Gullbekk, Money That Changed the World. A History of Gold Coins and Gold Currencies, Oslo 2014.
Hendrik Mäkeler, Gold als Zahlungsmittel, in: Das Gold der Deutschen, hrsg. v. Carl-Ludwig Thiele für die Deutsche Bundesbank, Frankfurt/Main 2018, S. 26-56.
Paul Arnold/Harald Küthmann/Dirk Steinhilber, Großer deutscher Münzkatalog 1800 bis heute, Battenberg Verlag 2026.